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Die Hauptaufgabe der Nerven ist die Leitung unterschiedlicher Befehle vom Gehirn zur Muskulatur, zu den Organen und zur Haut. Dort werden die Daten, die das Gehirn sendet, als unterschiedliche Körperfunktionen umgesetzt. Gleichzeitig leiten die Nerven alle Wahrnehmungen des Körpers ins Gehirn, das diese verarbeitet und als Sinneseindrücke wie Schmerz, Geschmack oder Tastwahrnehmungen erfahrbar macht. Wenn Nervengewebe zerstört oder beschädigt wird, können die Befehle nicht mehr vollständig weitergeleitet werden und es kommt zu unterschiedlichen Funktionsstörungen und Missempfindungen. Sind gleichzeitig mehrere Nerven von Abbauprozessen betroffen, sprechen Mediziner von einer Polyneuropathie, die sich in unterschiedlichen Symptomen bemerkbar machen kann. Im Falle einer Polyneuropathie sind die Ursachen vielfältig und können im Zuge der umfassenden Diagnose oft nicht bestimmt werden. Deshalb ist bei Polyneuropathie die Heilung zwar möglich, kann aber nur dann erfolgen, wenn die genauen Auslöser bestimmt und gezielt behandelt werden.

Polyneuropathie und ihre Ursachen

Was die Behandlung der Polyneuropathie so kompliziert macht, ist die Tatsache, dass hunderte Auslöser für die Entstehung dieser Erkrankung in Frage kommen. Allerdings gibt es bei Polyneuropathie  Ursachen, die am häufigsten auftreten und die Krankheit in vielen Fällen erklären können. Zu den häufigsten Gründen für die Zerstörung von Nervengewebe, die zu dieser Erkrankung führt, zählen schädliche Abbauprodukte, die im Zuge des Stoffwechsels entstehen. Diese schädigen das Gewebe und beeinträchtigen die Funktion der Nervenzellen. Solche Stoffwechselgifte entstehen vor allem durch Diabetes und Alkoholmissbrauch, aber auch durch die langfristige Einnahme von Medikamenten. Vor allem HIV-Infizierte und Krebspatienten sind durch die aggressiven Arzneistoffe oft auch von einer Polyneuropathie betroffen. Ebenso sind bei Polyneuropathie  Ursachen wie Autoimmunerkrankungen, Vergiftungen mit Quecksilber, Blei und anderen toxischen Metallen sowie verschiedene bakterielle Entzündungen, Tumorerkrankungen oder hoher Blutdruck möglich. Auch eine einseitige Ernährung oder Resorptionsstörungen, die einen schweren Vitamin-B-Mangel verursachen, kommen als Auslöser dieser Nervenstörung in Frage. Dennoch sind die Gründe oft nicht eindeutig identifizierbar, was bei Polyneuropathie die Heilungerschwert, da keine gezielte kausale Therapie gefunden werden kann.

Mögliche Symptome einer Polyneuropathie

Das Beschwerdebild der Erkrankung ist abhängig von der jeweiligen betroffenen Körperregion und kann motorische Störungen ebenso beinhalten wie Missempfindungen und Schmerzzustände. Diese Beschwerden sind auf die fehlgeleiteten Signale oder unterbrochene Leitfähigkeit zurückzuführen und können in unterschiedlichen Schweregraden auftreten. In den meisten Fällen von Polyneuropathie sind die sensiblen Nerven mit den längsten Fasern betroffen. Die Erkrankung macht sich daher oft zunächst in unangenehmen Gefühlswahrnehmungen wie Schwellungen, Stechen, Kribbeln, Kälte oder Hitze in den Armen, Beinen oder Zehen bemerkbar. Je nach Verlauf und geschädigtem Nervengewebe kann es zu unterschiedlichen Ausfallerscheinungen kommen, die von Koordinationsschwierigkeiten beim Gehen und Laufen bis hin zu Taubheitsgefühlen reichen. Sind motorische Nerven geschädigt, kann es abhängig vom Ausmaß der Erkrankung zu unterschiedlichen Fehlfunktionen der Muskulatur kommen. Muskelschwächen und -zuckungen sind ebenso häufige Symptome einer motorischen Polyneuropathie wie Krämpfe und Lähmungen. Die Lähmungen können über Monate anhalten und verursachen für die Patienten erhebliche Einschränkungen im alltäglichen Leben.

Besonders schwerwiegende Folgen hat eine Polyneuropathie, wenn die vegetativen Nerven betroffen sind, denn dies bedeutet eine Fehlsteuerung innerer Organe. Meist leiden Patienten mit vegetativer Polyneuropathie unter Inkontinenz, Impotenz, Trockenheit der Scheide oder Verdauungsbeschwerden. Sind Herz oder Lunge betroffen, kann es in seltenen Fällen auch zu Atemstillstand kommen, was eine künstliche Beatmung der Patienten notwendig macht.

Polyneuropathie und Heilung

Je nachdem, ob eine Ursache diagnostiziert wird, erfolgt die Behandlung einer Polyneuropathie kausal oder symptomatisch. Die Therapie von Patienten mit Diabetes beinhaltet eine optimierte Einstellung der Blutzuckerwerte durch verschiedene Maßnahmen. Liegt der Polyneuropathie eine bakterielle Entzündung zugrunde, hat sich die Gabe von Antibiotika in vielen Fällen erfolgreich bewährt. Eine Linderung der Symptome wird durch die Einnahme von Schmerzmitteln, Antidepressiva, Antikonvulsiva und anderen Arzneimitteln erzielt, die die neurologischen Fehlsteuerungen stabilisieren. Um sexuelle Dysfunktionen und Magen-Darm-Beschwerden zu behandeln, kommen unterschiedliche Medikamente zum Einsatz. Unterstützend werden oft physikalische Therapiemaßnahmen und eine transkutane elektrische Nervenstimulation eingesetzt, die den Patienten helfen, ihre Mobilität zurückzugewinnen und ihren Lebensalltag zu meistern. Die Chancen, bei Polyneuropathie eine Heilung oder deutliche Besserung zu erzielen, erfordern daher eine umfassende, mehrere Therapieansätze beinhaltende Behandlung über einen längeren Zeitraum.

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